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September 2008
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Archive für September 2008

Hallo liebe Wellenreiter,

aus aktuellen Anlass stelle ich euch einen Brief einer Mutter aus unserer Gesprächsrunde ein, die sehr enttäuscht von unseren Behörden, speziell von unserem Jugendamt ist. Wenn ihr Tipps und Anregung für sie habt, meldet euch bitte bei uns.

Betreff: Hilfe für unseren Sohn

Wir benötigen schnellstens und dringend Hilfe für unseren Sohn!

Deutsche Bürokratie?!
Sind unsere Kinder nichts mehr wert?
Versagt schon wieder ein deutsches Jugendamt?

Name: Alessandro Carmignotto
Geboren: am 13.12.1996 in Göttingen, Deutschland

Zur Vorgeschichte:
Im Sept. 2004 wurde bei unserem Sohn Alessandro ADHS diagnostiziert. Es dauerte eine Weile, bis er medikamentös eingestellt war. Das eine Medikament wirkte bei ihm nicht, von dem anderen bekam er Bauchschmerzen usw. Irgendwann jedoch haben wir es, auch mit Hilfe von Dr. Tyka, geschafft, ihn richtig einzustellen. Es lief so weit ganz gut. Alessandro kam in die 5. Klasse. Da Alessandro musisch sehr begabt ist, war sein sehnlichster Wunsch, in die GSG zu kommen, weil es dort eine „Bläserklasse“ gibt. Dr. Tyka riet uns, Alessandro nicht auf die GSG zu schicken, weil ADHS-Schüler dort mit der Beschulung (es gibt keine feste Struktur, „Freies Lernen“ usw.) nicht zu recht kommen würden. Wir dachten, wir versuchen es trotzdem. In der 5. Klasse war erst alles soweit in Ordnung. „Richtig gemacht“ dachten wir. Aber Alessandro hatte dadurch, dass er auch in Richtung Hochbegabung tendiert, alles überspielt. Mappenführung katastrophal, Freies-Lernen-Heft nicht geführt usw. Leider kam nie eine Info von den Lehrern. Daraufhin machten wir mit jedem Lehrer einen Termin, um zu erklären, was Alessandro für ein „Problem“ hat, und baten nochmals eindringlich um Feedback Alessandro betreffend, was auch jeder Lehrer versprach. Außerdem haben wir dem Klassenlehrer eine Mappe zusammen gestellt (Alles über ADHS, Tipps für Lehrer mit ADHS-Schülern uvm.) und baten ihn, nochmals mit den anderen Lehrern zu sprechen. (Rektorin war dabei) Zitat Klassenlehrer: „Das brauche ich nicht. Ich kenne mich mit ADHS aus. Aber lassen sie die Mappe ruhig hier.“ Danach haben wir uns noch etliche male mit den Lehrern in Kontakt gesetzt (persönlich und telefonisch). Jedes mal wurde uns versichert: „Wir melden uns“. Nichts passierte. Dr. Tyka hatte leider RECHT! Die GSG ist NICHTS für ADHS-Kinder

Nun zur Bürokratie, die uns verzweifeln lässt:

Im Nov.2007 nahmen wir Kontakt mit dem Jugendamt der Stadt Göttingen auf. Unsere zuständige Sachbearbeiterin Frau Hertzer hörte sich unsere Sorgen an. Daraufhin hat sie beschlossen, dass erst einmal festgestellt werden soll, ob wir nicht eine Familienhilfe brauchen. Die Jugendhilfe Friedland (= Fact)  wurde eingeschaltet, mit den Damen Renziehausen und Gogolok. Anfang des Jahres nahmen die Damen Kontakt mit uns auf und die Gespräche begannen. Diese Gespräche fanden  in einem Zeitraum von 3 Monaten wöchentlich statt. Da die Damen bereits nach einigen Gesprächen nach circa 1,5 Monaten festgestellt hatten, dass wir keine Erziehungshilfe brauchen, teilten wir dieses Ergebnis Frau Hertzer mit und baten sie, weitere Überlegungen und Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Frau Hertzer antwortete (Zitat: „Nein, ich muss die 3 Monate erst beendet haben, auch wenn das Ergebnis fest steht, erst dann geht es weiter“).
Also machten wir weiter, um die 3 Monate voll zu kriegen. Jede Woche Gespräche mit den Fakt-Damen, Fakt-Damen bei uns zum Frühstück, mit den Fakt-Damen zusammen beim Klassenlehrer, wo alles nochmals besprochen und geklärt wurde. Und NICHTS PASSIERTE. Nach Beendigung der 3 Monate hatten wir (nach weiterer Hinhaltetaktik (Terminverschiebungen)) endlich das Abschlussgespräch mit den Fakt-Damen bei Frau Hertzer. Auf unsere Frage, wie es denn nun weiter gehen soll, antwortete Frau Hertzer (Zitat: „Machen sie sich mal keine Sorgen, bis zu den Sommerferien ist alles geklärt“). Danach folgten weitere Fragebögen, die wir ausfüllen mussten. Viele Fragenbögen wiederholten sich, jedes mal mussten Fristen eingehalten werden. Zeitschinderei? Dann wollte Frau Hertzer eine Diagnostik von Dr. Tyka, der sogar bereit, war in der Mittagspause persönlich vorzusprechen. Frau Hertzer wollte das nicht, sie bestand auf einem schriftlichen Bericht (wieder Zeitschinderei?). Bekam sie dann auch bereits am nächsten Tag. Obwohl ihr jetzt die Diagnostik vorlag, schickte sie nun Alessandro zur Fachstelle Diagnostik. Wieder Zeitschinderei? Es folgten dieselben Gespräche, dieselben Fragebögen mit uns und mit Alessandro. Termine wurden in unseren Urlaub gelegt (es war bekannt, dass wir in Italien sind), sodass wir sie nicht wahrnehmen konnten. CLEVER ! Wieder Zeit gewonnen. Nach dem Urlaub ging es weiter. Uns wurde versichert (Zitat: „Bis zum Schulbeginn ist alles geklärt“). Erschwerend kommt hinzu, dass Frau Hertzer des Öfteren krank ist, was eigentlich kein Problem sein sollte, aber leider war kein anderer Mitarbeiter in der Lage, unseren Fall weiter zu bearbeiten. Im Übrigen ist es sehr schwer, jemanden telefonisch zu erreichen. (Automatisches Wählprogramm von 8:45 Uhr bis 14:10 = keiner geht ans Telefon). Einen Freitag waren fast alle Büros offen, keines war besetzt. Wo ist das Jugendamt? Jetzt hat die Schule wieder begonnen, Alessandro ist total fertig, er hat viele Asthmaanfälle, sein Blutdruck geht rauf und runter, sein Kreislauf spielt verrückt, aber manche Tage geht es ihm, Gott sei Dank, auch richtig gut. Er kann und will nicht in seine alte Schule gehen, weil er nicht weiß, wie es weiter geht. Es ist TRAURIG, dass aus Kostengründen alles hinausgezögert wird. Wir wollen nur, dass Alessandro seiner Begabung entsprechend beschult wird, wir wollen nur, dass Alessandro wieder ins seelische Gleichgewicht kommt, wir wollen nur, dass Alessandro in der Zukunft eine CHANCE hat, was so zurzeit nicht möglich ist. Irgendwann kommen wir dann gar nicht mehr an Alessandro ran! Wenn dann irgendwann in der Zeitung steht SCHON WIEDER !      DEUTSCHES JUGENDAMT HAT VERSAGT“ nutzt das Alessandro leider nichts mehr.

Wir benötigen dringend Ihre Hilfe, da wir alleine nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll und was wir noch tun können.

Mit freundlichen Grüßen
Familie A. Carmignotto

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